Daten zu Klient*innen

Aktuelles aus der Versorgung: Wer nimmt überhaupt Hilfe in Anspruch (Daten aus 2021)?

Grundsätzlich ist zu beachten, dass 2021 durch zwei wesentliche Einschnitte gekennzeichnet war: Zum einen erfolgte eine Erweiterung des Beratungsangebots über den Standort in Bremerhaven (ab Juli 2021). Zum anderen kam es auch weiterhin zu einer nachhaltigen Beeinflussung der Arbeitsaufgaben durch die COVID-19-Pandemie. Insgesamt wurden im Kalenderjahr 2021 N = 109 Personen mit einer Glücksspielproblematik beraten, darunter n = 91 Neuklient*innen.

  • Die Mehrheit der beratenen Personen war männlich (91,7%), unter 34 Jahre alt (57,4%), hatte keinen Migrationshintergrund (66,7%), hatte einen höheren formalen Bildungsgrad als den Hauptschulabschluss (59,8%), war nicht erwerbslos (96,7%) und war ledig (76,4%).
  • Zu den häufigsten Problemspielformen zählten Geldspielgeräte in Spielhallen (59,6%), Automatenspiele im Internet (17,4%), Sportwetten im Internet (17,4%) und Sportwetten vor Ort (13,0%).
  • Knapp ein Viertel der beratenen Personen (23,9%) hatte bisher keine Hilfen in Anspruch genommen.
  • Auf das Beratungsangebot aufmerksam wurden die Personen zu annähernd gleichen Teilen durch das Internet (36,4%), andere Beratungsstellen (34,1%) oder andere Personen (36,4%).
  • Hohe Beteiligungsintensität (in Form von Zeit und Geld) sowie hohe psychosoziale Belastung in zahlreichen Lebensbereichen gingen einher mit Leidensdruck durch glücksspielbedingte Schulden (34,3% bis 10.000€, 25,7% bis 25.000€, 11,4% bis 50.000€, 7,1% über 50.000€).
  • Die mittlere Anzahl an Beratungskontakten lag bei 4,7 Sitzungen in der Regel mit einer Gesamtdauer von unter sechs Monaten (77,8%).

Ausmaß glücksspielbezogener Probleme

Zum Ausmaß glücksspielbezogener Probleme auf Bevölkerungsebene stammen die aktuellsten Zahlen aus dem Jahr 2021. Nach einer Umfrage des Instituts für interdisziplinäre Sucht-und Drogenforschung (ISD Hamburg) in Kooperation mit der Universität Bremen weisen bundesweit 2,3% aller Menschen im Alter von 18 bis 70 Jahren eine „Störung durch Glücksspielen“ (≈ Glücksspielsucht) auf. Weitere 5,7% zeigen erste Symptome im Sinne eines riskanten Glücksspielverhaltens. Das entspricht auf Bundesebene in absoluten Zahlen etwa 1,3 Millionen Betroffene mit einer glücksspielbezogenen Störung sowie weitere 3,25 Millionen Betroffene mit einem riskanten Glücksspielverhalten. Runter gebrochen auf das Bundesland Bremen ergeben sich folgende Größenordnungen: Knapp 10.600 Personen dürften als glücksspielsüchtig gelten und etwa 26.200 Personen als riskant spielend. Das Dunkelfeld fließt in diese Berechnung nicht mit ein.